Hintergrundbericht / Energiewende

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Warum Quartiersspeicher das nächste große Ding sind

Wer die Stromproduktion in Deutschland an einem sonnigen Maitag in einer Grafik betrachtet, sieht einen perfekten Hügel: Mittags um 13 Uhr erzeugen Photovoltaikanlagen so viel Strom, dass die Strompreise kurzzeitig in den negativen Bereich fallen können. Drei Stunden später, wenn die Berufstätigen nach Hause kommen, wird der Strom knapp – und teuer. Diese Diskrepanz ist das vielleicht größte ungelöste Problem der Energiewende.

Das alte Modell stößt an seine Grenzen

Bisher wurde dieses Problem gelöst, indem konventionelle Kraftwerke in der Reserve gehalten wurden. Doch das ist weder klimafreundlich noch wirtschaftlich. Großspeicher in der Größenordnung mehrerer hundert Megawatt – etwa Pumpspeicherkraftwerke – sind teuer in der Errichtung und scheitern oft an Genehmigungsverfahren.

Was hingegen rasant wächst, sind dezentrale Lösungen: Quartiersspeicher in der Größenordnung einiger hundert Kilowattstunden, eingebettet in Wohngebiete, kombiniert mit lokalen PV-Anlagen.

Was unser Speicher in Striesen leistet

Unser Quartiersspeicher in Dresden-Striesen hat eine Kapazität von 500 kWh – das entspricht ungefähr dem Tagesverbrauch von 50 Haushalten. Er ist mit vier umliegenden PV-Anlagen verbunden, die zusammen rund 800 kWp Leistung erzeugen.

Die Wirkung in Zahlen: Bevor der Speicher in Betrieb ging, wurden rund 70 % des erzeugten Stroms ins Netz eingespeist – mit niedrigen Vergütungen und teilweise sogar negativen Strompreisen zur Mittagszeit. Heute werden über 70 % direkt vor Ort verbraucht, der Rest wird zu deutlich besseren Preisen abends ins Netz abgegeben.

Das Ergebnis: Die Wirtschaftlichkeit der angeschlossenen Anlagen ist um über 40 % gestiegen.

Warum das politisch interessant ist

Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag den Ausbau dezentraler Speicherkapazitäten als prioritäres Ziel definiert. Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene werden derzeit ausgebaut. Für Bürgerenergiegenossenschaften ergibt sich daraus eine doppelte Chance: Sie können einerseits die Wirtschaftlichkeit ihrer Bestandsanlagen deutlich verbessern, andererseits neue Geschäftsfelder erschließen.

Was bei uns als Nächstes geplant ist

Auf Basis der Erfahrungen in Striesen prüfen wir aktuell zwei weitere Standorte – einen in Dresden-Plauen und einen in Leipzig-Lindenau. Eine erste Wirtschaftlichkeitsberechnung ist abgeschlossen, die Standortprüfung läuft. Bei positivem Verlauf könnte der Baubeschluss bereits auf der Generalversammlung 2026 fallen.

Mitglieder, die sich gezielt an Speicherprojekten beteiligen möchten, können sich bereits jetzt unverbindlich vormerken lassen. Eine E-Mail an projekte@neue-wege-eg.de genügt.

Fazit

Die nächsten fünf Jahre werden zeigen, ob dezentrale Speicher das Rückgrat einer demokratischen Energiewende werden – oder ob auch in diesem Bereich die großen Konzerne dominieren. Bürgerenergiegenossenschaften haben die Chance, jetzt die Weichen zu stellen.